Buchbinderei Gerken

Inhaber Michael Steiert
Freiburger Straße 24
79856 Hinterzarten
Telefon 07652 / 9828533
buchbinderei-gerken@gmx.de
Di. – Fr. 9°° - 17°° Uhr
und nach Vereinbarung

Geschichte

Eine kurze Geschichte des Buchbinderhandwerks 

Die Anfänge unseres Handwerks liegen, wie so oft, im Dunkel der Geschichte. Sobald aber der Codex (die heutige Form des Buches mit Seiten und deren Schutz, den Deckeln) die Rolle als Schriftträger ablöste, muss es auch Buchbinder gegeben haben.

Mittelalter

Im 5. – 6. Jh. wurden in Klöstern, vor allem in Irland und Schottland, viele Bücher geschrieben und dann eingebunden. Meist war der Schreiber auch der Buchbinder, da sich nur in Klöstern mit großen Skriptorien ein „Spezialist“ um das Einbinden kümmern konnte. Dies blieb so, bis sich im 13. und 14. Jh. in einigen Universitäts- und Handelsstädten  die ersten bürgerlichen Buchbinder etablierten. 

Renaissance

Mit Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (1450)  und dem rasanten Anstieg der Buchproduktion war es nun notwendig, dass diese große Anzahl von Büchern auch gebunden wurde. Daraus folgte nun ein Anstieg von nichtklösterlichen Buchbindern. Manchmal waren es Geistliche (wie Johannes von Richenbach) oder Studenten, die sich mit dem Binden von Büchern ein Zubrot verdienten, manchmal andere handwerklich begabte Männer. 

Barock

Im 16. und 17. Jh. bildeten sich nun die eigenständigen Buchbinder- Zünfte (Freiburg 1603) , so dass das Buchbindehandwerk eine festgefügte Ordnung bekam. Viele Buchbinder entwickelten sich zu Spezialisten in der Vergoldung von Einbänden und Buchschnitten. Diese überreiche Vergoldung entsprach dem Stil der Zeit.

Neuzeit

Der Zunft- und Wanderzwang für das Handwerk wurde 1861 mit dem Vertrag über die Gewebefreiheit aufgehoben. Kurze Zeit später erlebten wir im Buchgewerbe auch die industrielle Revolution. Mit Dampfpressen wurde die Buchproduktion wiederum um ein vielfaches gesteigert. Das handwerkliche Buchbinden konnte damit nicht Schritt halten. Dies führte nun zu einer Spaltung des Buchbindegewerbes, wie es heute noch existiert. Zum einen von Manufakturbetrieben hin zur  industriellen Serienfertigung und zum anderen zur  handwerklichen Buchbinderei für Einzel- und Sonderarbeiten und Kleinauflagen.

 

Wir fühlen uns der Tradition der handwerklichen Buchbinderei verpflichtet und sind dennoch offen für die neuen Entwicklungen in Buchbinderei und Restaurierung.


Die Geschichte der Buchbinder Freiburgs und Umgebung

Als Anfangspunkt bietet sich naturgemäß das Jahr 1450 an. Das Jahr, in dem Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Bleilettern erfand und damit die Buchproduktion rasant anstieg. Es stellt sich für unser Handwerk natürlich die Frage“ Wer sind denn die Käufer und Leser von Büchern“  und somit auch Kunden von Buchbindern, da die Bücher in losen Lagen verkauft wurden. 

Als erstes ist hier natürlich der Klerus zu nennen, sowohl die klösterlichen -  wie die Stadtgeistlichen. Als zweite Hauptgruppe potentieller Kunden für Buchbinder sind die Gelehrten von Schulen und Universitäten zu nennen, deren Bedeutung  und Anzahl im Zuge des Humanismus stark anwuchs. Eine weitere Gruppe sind die Angestellten der kirchlichen  und städtischen Verwaltung.

Auch die größeren Handelsunternehmen waren mit Konto- und Geschäftsbüchern sicher ein Absatzmarkt für Buchbinder. Bei wohlhabenden Bürgern und Adligen gehörte ein Buch zum Prestige – „ Seht her, ich kann lesen und kann mir ein Buch leisten“.

Man geht davon aus, dass im 15. Jahrhundert  nur 1 / 10 der Bevölkerung lesen konnte und davon wiederum nur 1/ 10 die Mittel hatten,  sich ein Buch zu kaufen und es binden zu lassen. Daher ist davon auszugehen, dass  der Markt für einen Buchbinder in Freiburg um 1450 nicht sehr lukrativ war, denn um diese Zeit war Freiburg wirtschaftlich nicht mehr bedeutend.

Freiburg um 1350 war eine wichtige und wohlhabende Stadt mit ca. 9000 Einwohnern. Silberbergwerke in der Umgebung und Fernhändler wie die Snewlins oder Malterer brachten Wohlstand und Bedeutung für die Stadt. Es gab ca. 20 Klöster oder Klosterhöfe und 57 in Freiburg ansässige Edelfamilien, die der Stadt Ansehen verliehen.  Eine Vielzahl von Handwerkern war in 18 Zünften vertreten. Freiburg war somit gleich bedeutend wie Basel und Straßburg, den beiden anderen Zentren am Oberrhein.

Wie sieht nun die Lage um 1450 in Freiburg aus?

Die Silberbergwerke sind so gut wie ausgebeutet, der Fernhandel hat sich nach Basel oder Straßburg verlagert. Die Bevölkerung ist um 1/3 auf 6000 Menschen geschrumpft, nur noch wenige Adels- und Handelsfamilien wohnen noch in Freiburg. Die Anzahl der Zünfte ist auf 12 zurückgegangen.

Die wenigen Lehrer an Schulen verdienten nicht so gut, dass sie sich ein Buch hätten leisten können und der Klerus ließ wahrscheinlich wie bisher in Klöstern arbeiten. Aber ab 1457 – 1460 änderte sich die Situation  beträchtlich. 1457 stifteten Herzog Albrecht IV  und seine Frau Mechthild der Stadt Freiburg eine Universität. Diese wurde 1460 eröffnet.

Gleich zu Anfang wurden 300 Studenten immatrikuliert, dazu Professoren und andere Angestellte eingestellt. Für mich ergibt sich hieraus ein Zuwachs von potentiellen Buchkunden um 100%. Da es seit 1450 auch eine Papiermühle in Freiburg gab entstand nun ein günstiges Umfeld für eine Buchbinderei. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass sich um 1465 der erste bekannte bürgerliche Buchbinder in der Stadt niederlässt.

Hans Oesterreicher aus Colmar ist ab 1465 der erste Freiburger Buchbinder, den ich namentlich erfassen konnte. Er verlässt Freiburg aber schon nach 3 Jahren und ist danach ist Mainz tätig. Die nächsten Freiburger Buchbinder sind uns dem Namen nach unbekannt, aber wir kennen ihre Einbände. Von 1469 – 1478 hatte der Theologe Nicolaus Matz eine Professur in Freiburg, später wurde er Rektor der Universität und ließ seine Bücher hier einbinden. 

Sein Buchbinder verwendete häufig einen Stempel mit einer Art Hausmarke, wie sie bei Steinmetzen verwendet wird. Er erhielt somit den Notnamen „Buchbinder mit der Hausmarke“.

Die Bibliothek des Nicolaus Matz ist heute noch fast vollständig erhalten, da er sie seiner Heimatstadt Michelstadt als Legat vermachte. Darin finden wir acht von diesem Buchbinder gebundene Bücher mit Einbänden mit der „Hausmarke“.

  • Hausmarke
  • Nikolaus-Matz-Bibliothek

Ein weiterer Buchbinder, der um 1480 arbeitete, wird nach seinem Leitstempel, einer Mariendarstellung, als „Marienbinder“ benannt. Er muss auch mehrere Nachfolger gehabt haben, da sich der Stempel bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisen lässt.

Das Jahr 1481 brachte für die Buchbinder eine Erneuerung, da ab diesem Jahr die Zunft „zum Falkenberg“  Buchbinder und Buchführer  in ihren Reihen aufnahm. Da das Zunftbuch der Falkenbergzunft bis heute erhalten ist, sind hier nun die weiteren Buchbinder  des 15. Und 16.  Jahrhunderts aufzufinden.

Ein kleiner Exkurs zum Wort ZUNFT.

Zunft leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort „ Zeman“ ab, das sich heute noch in den Wörtern Zähmen oder sich geziemen findet. Die Zünfte waren für eine Stadt überlebenswichtig. Sie waren sowohl für die innere Ordnung ( Zunftsgerichtsbarkeit ) wie für die Außen -verteidigung der Stadt zuständig. Jeder Zunft wurde ein bestimmter Teil der Festungsmauer zur Verteidigung zugewiesen. Der Zunftmeister musste in seinem Haus auch Kriegsgeräte und Löschmittel für einen Brand vorrätig halten (Armbrüste, Arkebusen und Löscheimer). Die persönliche Ausrüstung oblag dem Zunftmitglied. Spießbürger oder Schildbürger bezeichneten somit die Ausrüstung der Zunftmitglieder – es war also ein Ehrentitel. 

Zurück nach Freiburg…

Durch das Zunftbuch der Falkenbergzunft haben wir nun Kenntnis von vier weiteren Buchbindern des 15. Jahrhunderts in Freiburg.

Hans von Gmünd                   Zünftig: 1493 

Zuerst hielt ich dies für eine Verwechslung mit dem Münsterbaumeister desselben Namens, der etwa um die gleiche Zeit in Freiburg tätig war. Aber ein Schreiben der Stadt Straßburg an den Rat der Stadt Freiburg mit der Bitte, dass sie eine Forderung  ihres Bürgers Conrat Harnischer gegenüber dem Buchbinder Hans von Gmünd eintreiben solle, zeigt, dass ein Hans von Gmünd tatsächlich ein Buchbinder gewesen sein muss.

Thomas Wüst                         Buchbinder  Abzugsrevers 1493

Hans Unter                             Zünftig:   1497

Jacob Waffenschmidt            Zünftig   1499

Eine weitere Stärkung des Buchbindehandwerks sehe ich in der Gründung der ersten Freiburger Druckereien. Den Anfang machte Kilian Fischer, der mit „ Perlustratio Sancti Bonaventure“ den ersten Freiburger Druck 1493 herausgab. Im selben Jahr wurden auch die Druckereien von Friedrich Riederer und Bastian Kaier in Freiburg gegründet. 

Was kostete ein Buch und die Bindung eigentlich um diese Zeit?

  • Rohbogen kosteten um 1470 je nach Ausstattung  ( Stiche, Blattzahl etc. ) 1 – 6 Gulden.
  • Für das Binden eines Buches wurden 0,5 – 2 Gulden veranschlagt, es verteuerte den Preis um 30 – 50 % . 

Wir können natürlich mit diesen Preisen heute nichts mehr anfangen, ohne sie in eine Relation mit anderen Gütern zu setzen:

  • Für einen Gulden bekam man 1,5 Malter Getreide, was fast den Jahresbedarf einer Person deckte oder einen Eimer Wein ( 75l ) - den Jahresbedarf bitte selbst feststellen. 
  • Ein Pferd, das heute einem Kleinwagen entspricht, kostete 10 -14 Gulden. 
  • Der Lohn einer Hausangestellten ( Dienstmädchen ) betrug 1 – 2 Gulden im Jahr.

Wir sehen also, dass der Erwerb eines Buches für die meisten Menschen, so sie denn lesen konnten,  ein nahezu unerschwingliches Gut war.

 

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen erhalten Sie in unsererDatenschutzerklärungOK